Dieses Jahr startet mit einer neuen Serie: “Glücksbringer aus aller Welt“.

Besonders zu Beginn und Ende eines Jahres beschäftigen wir uns bewusst oder unbewusst mit Glücksbringer z.b. in Form von Kleetöpfen, die mit Schornsteinfeger und Glücksschwein dekoriert sind. Das Jahr 2020 endete auf eine untraditionelle Weise, Glücksklee konnte man nicht kaufen, die Blumenläden waren schließlich geschlossen. Trotzdem können Glücksbringer für 2021 nicht schaden. Doch aufgrund des Lockdowns müssen wir uns um unser Glück selber kümmern ????.

Kürzlich habe ich mir einen neuen Emaille-Pin gekauft – ich liebe die Dinger ???? ! Damit kann man jedes Outfit aufwerten und – na klar: sich mit seinem liebsten Glücksbringer oder Talisman umgeben, ohne dass man komisch angeguckt wird. Und manchmal hält  ein starker Spruch einfach nur das Gegenüber auf Abstand.

Für meine Sammlung habe ich mir jetzt eine Maneki-Neko gekauft, wunderhübsch in weiß und Gold. Und dabei angefangen, über Glücksbringer nachzudenken. Denn meine neue Winkekatze ist ein traditioneller japanischer Glücksbringer.

Welche Glücksbringer gibt es auf der Welt?

Und weil das Thema so viel hergibt und hervorragend zu Your local Hero passt, mache ich eine Serie daraus. Jedes Land und jede Region hat schließlich eigene Symbole und Traditionen.

Die japanische Kultur ist voller Traditionen und Bräuche und an jeder Ecke, aber besonders vor Tempeln und Schreinen, kann man jede Menge Glücksbringer kaufen. Die Verkaufsstände findet man auf den Zuwegen zu heiligen Stätten und es gibt eine riesige Auswahl für die unterschiedlichsten Intentionen, die manchmal von Tempel zu Tempel variieren. Jeder hat seine Spezialität. Allerdings sind die Talismane und Glücksbringer keineswegs Touri-Napp, sondern für die gläubigen Besucher gedacht. 

Auch wir kennen religiöse Symbole des Christentums wie Heiligenbildchen und Kruzifixe. In der japanischen Religion gibt es unendlich viele mehr, für jeden Zweck und jeden Adressaten ein eigenes, z.b. für einen Geschäftserfolg, eine gute Prüfung, eine erfolgreiche Verabredung, eine Genesung, eine neue Liebe… Man trägt Geistern und Göttern gerne seine Probleme und Wünsche vor und bittet um Hilfe und der Kauf eines Talismans wird als erweiterte Opfergabe zu dem eigentlichen Opfer im Tempel verstanden. Aber nicht alle Glücksbringer sind religiösen Ursprungs. Und deswegen beschäftigen wir uns heute mit der Frage:

Welche Glücksbringer gibt es in Japan?

  • Maneki-Neko (Winkekatze)
  • Daruma
  • Kokeshi
  • Omamori
  • Omikuji
  • Die vier Affen
  • Special: Sarubobo

MANEKI-NEKO

Die Winkekatze “Maneki-Neko” ist auch bei uns bekannt und beliebt. Die mit einer Pfote winkende Katze gibt es z.b. mit Solarpaneel und so winkt sie in Dauerschleife aus fast jedem asiatischen Geschäft und Restaurant.

Allerdings ist sie nicht einfach nur ein Deko-Accessoire, sondern hat eine tiefe Bedeutung. Und natürlich ist auch die Frage, welcher Arm winkt, von Bedeutung, wie wir es von der japanischen Kultur erwarten.

Der linke Arm soll Kunden anlocken, der rechte winkt Wohlstand und Glück herbei. (Ich muss gleich mal gucken, mit welchem Arm mein Katzen-Pin winkt… ????) Doch auch die Farbe der Katze hat eine Bedeutung. Eine goldene Katze steht für Geld und Wohlstand, eine weiße für Frohsinn, Reinheit und positive Dinge, eine gefleckte (Weiß mit orangefarbenen und schwarzen Flecken) soll Glück bringen und eine schwarze hält böse Geister fern, rot ist für alle, die Liebe suchen, grün steht für Gesundheit.

Und wie ist dieses Symbol entstanden? Einst hat eine gefleckte Katze eine Geisha vor einem tödlichen Schlangenbiss gerettet. Seitdem gelten Katzen als Glücksbringer. Und das Winken kommt vom Putzen des Gesichts. Nachvollziehbar, oder?

DARUMA

Dieser Glücksbringer steht für das japanische Sprichwort: “Falle siebenmal hin, stehe achtmal auf”. Wahrscheinlich wurde er vom Mönch Bodhidharma, der den Zen-Buddhismus nach China und Japan brachte, inspiriert. Die Kleidung des Mönches war Rot und weil er angeblich 9 Jahre lang durch meditierte, wobei man Arme und Beine nicht braucht, sieht die Figur aus wie ein Ball.

Man kauft die Daruma-Figuren mit weißen Stellen anstelle der Augen. Sobald man einen Wunsch oder ein Ziel hat, malt man ein schönes Auge auf und stellt die Figur gut sichtbar an einer Stelle auf, an der man oft vorbeikommt. Wenn der Wunsch wahr geworden ist, malt man das zweite Auge auf und verbrennt die Figur anschließend im Tempel.

KOKESHI

Diese Figuren haben ähnlich wie der Daruma keine Gliedmaßen. Sie werden aus Mizuki von Hand gefertigt, das ist ein feuerfestes Holz, weswegen die Kokeshi das Haus gegen Feuer schützen. Im 19. Jahrhundert waren sie auch Talismane für Fruchtbarkeit und reiche Ernte. Traditionell sind die Figuren mit Rot, Schwarz und Gelb bemalt, aber heutzutage gibt es viel mehr Formen und Farben.

OMAMRI

Diese religiösen Symbole werden vor Shinto-Schreinen und buddhistischen Tempeln zum Kauf angeboten und sie symbolisieren eine Wohltat im irdischen Leben.

Der Omamori ist ein kleiner Stoffbeutel, der mit einer geknoteten Schnur verschlossen wird. Die Stoffe sind farbenfroh und die Muster unterschiedlich, denn oft haben sie selber bereits eine Bedeutung. Im Beutel befindet sich Papier mit schützenden Schriftzeichen. Es darf aber unter keinen Umständen geöffnet werden, um nachzusehen, was wirklich drin ist. Allerdings kann man sie selber herstellen.

Nach einem Jahr oder spätestens am nächsten Neujahrstag verlieren die Zeichen ihre Wirkung und werden dann im Schrein oder Tempel als Opfergabe verbrannt, bevor man sich neue kauft.

Da es für jede Gelegenheit ein Omamori gibt, gibt es natürlich auch Hersteller, die besser und schlechter wirkende Omamori produzieren.

Eins muss dazu noch kurz gesagt werden: in Japan gibt es keine Kirchensteuer oder staatliche Unterstützung von Religion. Deswegen sind Tempel, Schreine, Mönche usw. direkt auf die Unterstützung der Gläubigen angewiesen. Es gibt zwei Möglichkeiten für Ein­nahmen: Große Zere­monien aus Anlass wichtiger Lebensereignisse wie Hochzeit, Geschäfts­gründung, Hausbau, Begräbnis und kleine religiöse Hand­lungen, die unmittelbar im Alltag wirken sollen, wie der Verkauf von Räucherwerk oder eben der Verkauf von Schutzzeichen und Amuletten vor den Tempeln. Das ist also durchaus ernst zu nehmen und bedeutet den Gläubigen viel.

UMIKUJI

In der Nähe von Tempeln und Schreinen kann man lange Seile mit Papierschleifen finden, an eine Kiefer gebunden. Das sind die schlechten Omikuji, was ungefähr so viel wie Lotterie-Orakel bedeutet und der Brauch geht so: Man wählt aus den vielen aufgestellten Schachteln eine aus und denkt an einen Wunsch, ein Schicksal, eine Bitte, während man die Schachtel so lange schüttelt, bis durch ein kleines Loch ein zusammengerolltes Omikuji fällt. Darauf steht die Tendenz für die Wunscherfüllung. Es gibt: großes Glück, mittleres Glück, kleines Glück, Glück, halbes Glück, beinahe-Glück, beinahe-kleines Glück, Pech, kleines Pech, halbes Pech, beinahe-Pech und großes Pech. Nett, oder? Das würde mir auch gefallen…

Wenn die Voraussage nun schlecht sein wollte, faltet man das Omikuji zusammen und knotet es an eine Kiefer in der Nähe des Tempels oder Schreins, wo man das Omikuji bekommen hat. Das kommt wahrscheinlich daher, dass die beiden Wörter Kiefer und Warten gleich klingen und somit glauben die Japaner, dass das Unglück am Baum wartet, anstatt mit ihnen zu kommen.

Falls das Omikuji Gutes vorhersagt, behält man es natürlich.

DIE VIER AFFEN

Bei uns sind landläufig nur die drei Affen bekannt: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Ursprünglich waren es vier und sie beziehen sich auf diesen Spruch von Konfuzius:

Was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, darauf schaue nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, darauf höre nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, davon rede nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, das tue nicht. – Kungfutse: Lun Yu. Gespräche. Buch 12

Im klassischen japanisch wird die Verneinung einer Tätigkeit so ähnlich ausgesprochen wie Affe, weswegen der Affe zum Leitbild dieses Spruchs wurde. Den vierten lässt man mittlerweile überwiegend weg.

SARUBOBO

Bei den Sarubobo-Puppen handelt es sich um kleine Maskottchen aus der Präfektur Gifu, es ist also ein regionaler Brauch, trotzdem erwähnenswert, denn ich finde, es sind nette Mitbringsel aus einer Gegend, die für ihre heißen Quellen bekannt ist.

Das Wort “Sarubobo” setzt sich aus “Saru” = Affe und “Bobo” = in der Region das Wort für Baby zusammen.

Diese kleinen Puppen wurden hergestellt um jemandem, der einem sehr wichtig ist, Glück zu schenken. Oft haben Omas den Enkelkindern solche Puppen als Omen für Glück im Leben geschenkt, natürlich selbstgemacht. Außerdem sollen die Puppen ein glückliches Zuhause bringen und zu einer leichten Geburt verhelfen. Im Allgemeinen sind Sarubobo rot, als Verbindung zu den Affen, deren Gesichter rot sind.

Mittlerweile gibt es Sarubobo auch in vielen anderen Formen, Farben und Größen, wobei selbstverständlich jede Farbe eine bestimmte Bedeutung hat:

Rot = für gute Ehe, leichte Geburt, gutes Wachstum der Kinder
Gold = für Geld und Erfolg, schützt vor Pech
Gelb = für Glück im Spiel und bei Lotterien.
Pink = um den Partner zu finden, damit die Beziehung gut läuft
Blau = für Studium oder Beruf und Konzentration
Grün = für Frieden und Gesundheit
Lila = für ein langes und gesundes Leben
Schwarz = schützt vor jedem Übel

In der Region kommt man an den Puppen kaum vorbei, es gibt sie sogar als Kuchen.

Warst Du schon in Japan und hast Bekanntschaft mit einem oder mehreren Glücksbringern geschlossen? Oder kannst Du die Liste vielleicht erweitern? Dann lass gerne einen Kommentar da, ich freu mich ????.

Bildquelle: 1. alain pham, 2. snowscat, 3. nicholas doherty, 4. boudewijn huysmans, 5. chris a tweten, 6. steven diaz, alle via unsplash.com


Katrin

Katrin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Reisen zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Sie glaubt fest daran, dass ein Urlaub eine Mischung aus Entspannung und Abenteuer sein sollte und man hinterher mehr weiß als vorher. Deswegen hat sie Your local Hero gegründet, ein Netzwerk aus Bloggern, die Reisende mit Insidertipps über ihre Regionen versorgen und so dazu beitragen, eine Gegend auf einzigartige Weise kennenzulernen, nämlich als wäre man von einem Freund herumgeführt worden.

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Katrin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Reisen zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Sie glaubt fest daran, dass ein Urlaub eine Mischung aus Entspannung und Abenteuer sein sollte und man hinterher mehr weiß als vorher. Deswegen hat sie Your local Hero gegründet, ein Netzwerk aus Bloggern, die Reisende mit Insidertipps über ihre Regionen versorgen und so dazu beitragen, eine Gegend auf einzigartige Weise kennenzulernen, nämlich als wäre man von einem Freund herumgeführt worden.